Vor 1000 Jahren


Ansicht Alte Kirche St. Ulrich | © Wikimedia TheRunnerUp

Sie ist das älteste Gebäude von Götzis, die Alte Pfarrkirche zum hl. Ulrich. Bei der Friedhofserweiterung 1875 kamen unter dem heutigen Turm und der Sakristei Grundmauern einer kleinen romanischen Kirche zum Vorschein, die etwa um das Jahr 1000 errichtet wurde. Vermutlich war es eine sog. Chorturmkirche, bei der sich der Altarraum direkt unter dem Turm befand. Götzis muss noch ein kleines Dorf gewesen sein, doch schon im aufgehenden Mittelalter leisteten sich die Menschen ein wehrhaftes Gotteshaus. Es waren raue Zeiten und darum stellte man sich ein Haus Gottes schützend und burgartig vor.

MH 25.04.2019


Der gotische Neubau


Gotisches Netzrippengewölbe | © mhofer

Das bäuerliche Dorf wuchs und wurde größer, womit auch der erste Kirchenbau zu klein wurde. Zudem änderte sich der Geschmack der Zeit. Ab dem Hochmittelalter stellte man sich das Haus Gottes nicht mehr wehrhaft vor, sondern licht und schön verziert, ein schmuckes Abbild des Himmels, das einen gleichsam nach oben zog. So entstand 1340 der gotische Neubau mit einem vermutlich kurzen Langhaus. Die Apsis aus dieser Zeit ist heute noch erhalten: der Chorraum mit den spitzbogigen Fenstern und dem Netzrippengewölbe. Das Maßwerk, die steinerne Verzierung der Fensterspitzen, ist sehr kunstvoll und in jedem Fenster anders gestaltet. Vielleicht gab es einmal farbige Glasfenster, die je nach Lichteinfall eine mystische Stimmung in den Altarraum zauberten. So wurden die Menschen in der Kirche verzaubert in einer Zeit, in der es in den eigenen Behausungen noch ziemlich düster aussah.

MH 25.04.2019


Vergrößerung und Umbauten


Götzis AlteKirche | © mhofer

Götzis wuchs weiter und bald schon war auch die gotische Kirche zu klein. Vor gut 500 Jahren (1509) erfolgte eine Vergrößerung des Langhauses, um damit mehr Platz zu schaffen. Vor allem wurde das Hauptschiff nach Norden hin verbreitert. Man sieht es heute noch daran, dass die Achse des Chorbogens mit jener des Langhauses nicht übereinstimmt. Das Schiff ist nach Norden hin breiter und die Apsis nicht mehr wirklich in der Mittelachse. Auch die sechs großen Fenster kamen später erst hinzu. Sie tragen zwar gotisch anmutende Spitzbogen, sind aber breiter und weniger verziert, als es gotische Fenster wären. Vermutlich ging es einfach darum, mehr Licht in den Kirchenraum zu bringen. Renovierungen der Alten Kirche erfolgten in den Jahren 1833, 1898, 1929 (Turm), 1932 und 1976/80. Bei der letzten Renovierung wurden 1979 erst die Fresken an den Wänden wiederentdeckt. Heute sind wir gefordert, die Grundmauern zu sanieren, da sonst diese Fresken gefährdet sind.

MH 25.04.2019


Alte und Neue Pfarrkirche


Ansicht Neue Kirche | © Wikimedia Friedrich Böhringer

Götzis wuchs noch weiter und mit der beginnenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert gab es weitere Schübe, sodass die Pfarrkirche wieder einmal zu klein wurde. Nochmalige Erweiterung oder Neubau, war damals die Frage. Die Unterdörfler um die Alte Kirche herum hofften natürlich auf eine Erweiterung ihrer Pfarrkirche, die das Zentrum des Unterdorfs war. Vielleicht wohnten im Oberdorf inzwischen aber die wohlhabenderen Götzner und so fiel die Entscheidung auf den Bau der neuen Pfarrkirche (eingeweiht 1865), was fast zu einem kleinen Ortskrieg zwischen Unter- und Oberdorf führte. Die Alte Kirche blieb aber erhalten und der Friedhof um die Kirche herum wurde erweitert.

MH 25.04.2019


Das künstlerische Kleinod


Alte Kirche Höllendarstellung | © Manfred Oberhauser

Die Alte Kirche gehört zu den künstlerisch bemerkenswertesten Kirchen unseres Landes. Sie besitzt keinen kunstgeschichtlich einheitlichen Stil, aber alle Jahrhunderte haben Bedeutsames hinterlassen mit der gotischen Apsis, den Fresken aus dem 16. Jahrhundert, dem Sakramentshäuschen mit Elementen aus Gotik und Renaissance, dem frühbarocken Altarbild, der hochbarocken Schutzmantelmadonna und vielem anderen mehr. Es ist eine Sammlung künstlerischer Schätze aus vielen Jahrhunderten. Freskenzyklen gibt es in Vorarlberg noch ältere wie in Damüls, Ludesch (St. Martin), Mittelberg oder in der Martinskirche in Bregenz, aber aus der Zeit der Renaissance ist im Ländle nichts Vergleichbares erhalten. Es ist unser Erbe, das wir erhalten müssen.

MH 25.04.2019


Eine Kirche der Götzner


Alte Kirche | © mhofer

Die Alte Kirche ist auch ein Teil unserer Identität. Menschen haben zu verschiedenen Zeiten sehr viel aufgewendet zum Bau oder Umbau dieser Kirche. Sie haben damit Anliegen verbunden und Ideen in den Bau eingebracht. Sie war über Jahrhunderte ein Ort, an den unzählige Menschen gekommen sind mit ihren Freuden und Hoffnungen, ihrer Trauer und ihren Ängsten und haben diese vor Gott gebracht. Entscheidende Wendepunkte des Lebens von Geburt bis Tod haben mit diesem Kirchenraum zu tun und noch heute finden die meisten Totenfeiern in der Alten Kirche statt. Unzählige Gebete wurden hier gesprochen, Menschen gesegnet, miteinander verbunden, Dinge geweiht. Es ist ein Ort des Heiligen, der damit auch den Menschen heilig wurde.

MH 25.04.2019