Vergänglichkeit



Sippe des Thomas Walser | © Manfred Oberhauser


Unter dem großen Fresko in der Alten Kirche ist die ganze Sippe des „ehrwürdigen und fürnehmen“ Thomas Walser dargestellt, dem Stifter des Bildes. Vor allem bei den Frauen haben viele ein kleines Kreuz über dem Kopf als Zeichen dafür, dass sie nicht mehr am Leben sind. Vermutlich haben die meisten dieser Frauen eine Geburt nicht überlebt, damals noch eine riskante Sache. Eigentlich müssen wir unseren Urahninnen dankbar sein, dass sie trotzdem bereit waren, das Leben weiterzugeben. Sie lebten im Bewusstsein der Vergänglichkeit, aber auch im tiefen Glauben, dass mit dem Tod nicht alles aus ist.

In der Gemeinde von Korinth gab es Zweifel an der Auferstehung. Der Angriff des Apostels Paulus ist radikal: „Wenn Tote nicht auferweckt werden, dann lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot.“ (1 Kor 15,32)

Passt das nicht auf unsere moderne Zeit genauso? Wenn das Leben die letzte Gelegenheit ist, dann muss in dieses Leben alles hineingepackt werden, dann müssen wir genießen und konsumieren, was geht! In diesem fatalen Verständnis von Vergänglichkeit wird Genuss zum Konsum, das Leben zu einer zwanghaften Jagd nach Glücksmomenten. Mit Lebenslust und Freude am Leben hat das nichts mehr zu tun.

Vielleicht kann man die Pointe des Paulus sogar umdrehen: Wirklich genießen können wir erst, wenn wir glauben, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, wenn wir getragen sind von der Zuversicht, dass das Leben weitergeht. Miteinander essen und trinken ist erst ein wahrer Genuss, wenn es gleichzeitig ein Vorgeschmack ist auf das, was noch folgen wird. Im christlichen Verständnis von Vergänglichkeit gehört der Tod zum Leben, aber er ist nicht dessen Ende. Schmerz und Leid sind Teil des Lebens, weil es noch nicht das vollendete ist. Aber umgekehrt ist jede Lebensfreude, die wir hier genießen, nichts anderes als ein Vorgeschmack auf den Himmel.

Markus Hofer